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Was machen Schweizer Fleischfirmen besser?

Was machen Schweizer Fleischfirmen besser?

N.Ein erster Fall wurde auch in der Schweiz bekannt, wo Mitarbeiter eines Schlachthofs mit dem neuen Koronavirus infiziert wurden. Im Mai wurden 16 Personen in einem Schlachthaus in Emmental positiv auf Covid-19 getestet. Dies ist natürlich nicht vergleichbar mit den Zahlen, die in Deutschland Schlagzeilen machen: Allein in der Fleischfabrik Tönnies im Landkreis Gütersloh sind mehr als 1.500 Mitarbeiter infiziert. Warum hat die Schweizer Fleischindustrie die Koronakrise bisher so leicht überstanden? Der Ausgangspunkt ist ähnlich wie in Deutschland: Da für die harte körperliche Arbeit in gekühlten Hallen fast keine Einheimischen zu finden sind, arbeiten viele Osteuropäer auch in den fast 700 Schweizer Schlachthöfen. Und es wird regelmäßig von Subunternehmern wie der Top Akkord H. Heinen AG, einem Makler von Fleischindustrie-Spezialisten aus dem Kanton Luzern, eingestellt.

Der Emmentaler Betrieb der Ernst Sutter AG, bei dem sich die 16 Mitarbeiter (von insgesamt 210) infiziert haben, arbeitet ebenfalls mit Top Akkord zusammen. „Einer der Hauptunterschiede für Deutschland ist, dass unsere Fleischfirmen ihre Mitarbeiter nicht in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen“, sagt Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleischverbandes SFF. Ausländische Arbeitnehmer müssen sich um ihr eigenes Zuhause kümmern, damit sie weniger engen Kontakt zu ihren Kollegen außerhalb ihrer Arbeit haben.

Besonders attraktiv für Spezialisten aus Niedriglohnländern

In den Fabriken gab es strenge Hygienevorschriften, die nach Ausbruch der Pandemie erheblich verschärft wurden. Neben Abstandsregeln und Schutzmasken und Schutzbrillen ist die Trennung von Plexiglaslinsen, Gesichtsschutz und Pausenräumen, die durch Zelte vergrößert wurden, eines der Instrumente im Kampf gegen mögliche Infektionen. Das Risiko eines größeren Ausbruchs wird jedoch auch dadurch verringert, dass Schweizer Unternehmen deutlich kleiner sind als in Deutschland. „Die Mengen, die Tönnies innerhalb eines Tages verarbeiten, werden nicht einmal innerhalb einer Woche von unseren größten Schlachthöfen erzeugt“, erklärt Hadorn.

Wie der Direktor des Verbandes betont, sollte die Schweizer Fleischindustrie die entsprechenden sozialen Standards nicht untergraben: „Die Branche unterliegt Tarifverträgen. Die festgelegten Anforderungen gelten für alle Mitarbeiter in den Fleischfabriken, einschließlich der von Subunternehmern beschäftigten. „Der Gesamtarbeitsvertrag sieht unter anderem Mindestlöhne vor, die etwa doppelt so hoch sind wie in Deutschland. Nach Angaben der Branche kann ein Fleischschneider, der in einem Akkord arbeitet, einen monatlichen Lohn von mehr als 5.000 Franken erhalten. Dies macht die Schweiz besonders attraktiv für qualifizierte Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern. Gleichzeitig gibt es mehr Transparenz als in Deutschland: Jeder Ausländer, der in einem Fleischgeschäft arbeitet, benötigt eine Arbeitserlaubnis der Behörden.

Die mit strengeren Tierschutzbestimmungen verbundenen deutlich höheren Arbeitskosten spiegeln sich in den Fleischverkaufspreisen wider, die in der Schweiz mehr als doppelt so hoch sind wie in Deutschland. Um inländische Lieferanten vor dem viel billigeren Wettbewerb im Ausland zu schützen, erhebt der Schweizer Staat hohe Zölle auf importiertes Fleisch. Als Privatperson können Sie nur ein Kilogramm Fleisch pro Tag steuerfrei transportieren. Für die oben genannten Mengen fallen Gebühren in Höhe von CHF 17 bis CHF 23 pro Kilo an.

Die Schweiz ist auch nicht frei von Skandalen

Aufgrund des großen Preisunterschieds haben die meisten Einkaufstouristen aus der Schweiz, die jedes Jahr schätzungsweise 10 Milliarden CHF im Ausland ausgeben, Fleisch und Wurst auf ihrer Einkaufsliste. Einschließlich dieser Einkäufe ist der Fleischkonsum der Schweizer Bevölkerung wahrscheinlich ungefähr der gleiche wie in Deutschland, wo 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr konsumiert werden. „Ich hoffe, dass die Nachrichten aus Deutschland, die das Ergebnis des Drangs nach dem billigsten Fleisch sind, die Schweizer Grenztouristen zumindest daran erinnern und damit zu vermehrten Fleischkäufen im Inland führen“, sagt Hadorn.

Laut einer Unternehmenssprecherin haben sich die 16 Mitarbeiter, darunter einige Schweizer, die von Coronas Emmentaler Fleischindustrie betroffen waren, nun vollständig erholt und sind wieder an der Arbeit. Die Sprecherin konnte nicht feststellen, ob das Luftzirkulationssystem zur Kühlung der Schlachthöfe, wie Tönnies sagte, die Ausbreitung des Virus hätte fördern können.

Als Vorsichtsmaßnahme gegen virale Aerosole in der Luft tragen alle Mitarbeiter einen Mund- und Nasenschutz sowie eine zusätzliche Gesichtsmaske aus Kunststoff. „Wir gehen davon aus, dass die Mitarbeiter im privaten Bereich infiziert wurden“, sagte die Sprecherin. Derzeit gibt es in der gesamten Unternehmensgruppe keine Corona-Fälle mehr, was zeigt, dass das Sicherheitskonzept funktioniert.

Aber auch die Schweizer Fleischindustrie ist nicht frei von Skandalen. Die Graubünden Fleischhändlerin Carna Grischa sorgte 2015 für Aufsehen, weil er Verfallsdaten fälschte, aufgetaute Waren als Frischfleisch verkaufte und Pferdefleisch als Rindfleisch deklarierte. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat im vergangenen Jahr 67 Schlachthöfe untersucht. Das Büro stellte in den meisten dieser Betriebe Tierschutzmängel fest. Das Büro hat jedoch bewusst Risikooperationen ausgewählt, die zuvor auf kantonaler Ebene negative Aufmerksamkeit erregt haben. Es war also keine repräsentative Umfrage.