Das Dach der Welt: Pamir Highway

TajikistanToday.org(German),

Eine südchinesische Zeitung veroeffentlichte in seiner Ausgabe vom 7.Dezember einen Reisebericht über eine Erkundung des Pamir Highways. Im folgenden eine gekürzte deutsche Fassung:

“Die Straße nach Iskander Kul ist eine Kombination aus steinigen Abschnitten und Schlaglöchern, die den Allradantrieb meines Wagens zum Ruckeln bringt, während ich kleine Fortschritte mache und nach einer glatten Linie suche, die es nicht so leicht zu finden gibt. Hirten und ihre Ziegen versperren gelegentlich den Weg und die Felswände heben sich auf, was ein Weiterkommen manchmal unmöglich erscheinen lässt, bevor die Straße abrupt nach rechts oder links schwankt.

Die Wolken ergiessen sich über die Windschutzscheibe und die Regenflecken lockern stundenlang angesammelten Staub. Ich erklimme einen Hügel und schaue zum ersten Mal auf den See. Die Sonne schießt mit den Fingern durch ein scheinbar graues Pergament, legt funkelnde Lichtstrahlen auf das Wasser und verwandelt es von einer nach glänzenden Stahl anmutende Oberfläche plötzlich in etwas Kupferfarbenes.

Iskander Kul bedeutet “Alexanders See”. Alexander der Große hat diesen Teil West-Tadschikistans im 4. Jahrhundert v. Chr. während seiner Feldzüge in Zentralasien durchlaufen. Das Wasser ist kristallklar und sehr kalt. Zwei gewaltige, brustähnliche Hügel umrahmen den schneebedeckten Berg Sarytag und das dunkle Grün der Maulbeerbäume steht im Kontrast zu den dichten Felsen und dem See, der jetzt opalblau unter dem aufhellenden Himmel ausschaut.

Ich besuche einen kleinen Café, welches Getränke, Eiscreme und Batterien verkauft und esse später in einem Resort, in dem ich fettige Hammelfleischknödel verspeise und mich nach einer kurzen Erfahrung mit dem eiskalten See in der Sonne bade.

Die Straße nach Süden führt an der Hauptstadt Dushanbe vorbei, dann durch Hügel, die von blühendem Grün bedeckt sind, bevor sie den bescheidenen Shurabad-Pass überqueren, hinter dem sich das Tor zu Tadschikistans wahrem Bergland, dem Gorno-Badakhshan Autonomous Oblast (GBAO), befinden.

Die rund 250.000 Einwohner von Badakhshan machen 3 Prozent der Bevölkerung Tadschikistans aus, das Gebiet nimmt jedoch fast die Hälfte des Landes ein: wildes Gelände, das sich auf über 7.000 Meter erhebt und als Pamir bekannt ist – das „Dach der Welt“.

Durch sie verläuft der Pamir Highway, der unwahrscheinlich an Felswänden haftet und unter schwankenden Grenzen vorbeizieht, in tiefe Schluchten stürzt und an wackelnd anmutende Brücken über die Gletscherflüsse entlang der afghanischen Grenze führt. Dann geht es nach Norden über das Hochplateau nach Kirgisistan.

Der Geruch von frischem Asphalt markiert den Unterschied zwischen der tadschikischen und der afghanischen Seite des Flusses Panj. Tadschikistan verfügt über Telegrafenmasten, Stromleitungen und gelegentlich Teehäusern, während die afghanische Seite beinahe ohne Entwicklung ist, abgesehen von quadratischen Lehmhausdörfern, die durch Schotterwege miteinander verbunden sind, auf denen große Männer auf winzigen Eseln wackeln.

Ich mache eine Nacht in Kalai-Khumb. Jungen in Trikots von Real Madrid und Manchester United kicken einen Ball, bevor die Dunkelheit das Dorf umhüllt, während die Sonne unter den hohen Talwänden sinkt.

Die 240 km lange Fahrt nach Khorog dauert am nächsten Tag neun Stunden. Das schwierige Areal, dass mich Stunde um Stunde neben Felsen, oberhalb des tobenden Flusses knapp 100 Meter vom Straßenr führt ist speziell. Rundherum sind zerklüftete Abschnitte aus Felsen und schneebedeckten Massiven unter einem fast künstlich anmutenden strahlendblauen Himmel.

Ich rolle dankbar in Khorog an, lange nachdem die Sonne unter die Gebirgskämme gesunken ist und Sterne begonnen haben, die Bergnacht zu schmücken.

Khorog ist die Provinzhauptstadt der Gorno Badakhschan Provinz und die einzige Stadt dieser Region, die sich über Hunderte von Kilometern erstreckt. Eine geschäftige Lebendigkeit von Märkten und einfachen Gästehäusern, die einen speziellen geselligen Charme haben fallen mir auf. Sehr erholend ist die warme Dusche, das weiche Bett und meine günstige und füllende Shurbosuppe, Tushbera-Fleischklöße und Fladenbrot das mir gut tut.

Gasthäuser sind nicht die einzige Wachstumsbranche in Khorog. Die Hauptstraße ist gesäumt von Mechanikern und Reifenreparaturen, die sich um die Bedürfnisse von Besuchern und Touristen kümmern, deren Autos in der Stadt halt machen.

Zum Glück gibt es weniger Schlaglöcher auf der Straße nach Ishkashim, wo eine Brücke den Fluss nach Afghanistan überquert. Wie ich erfuhr, findet hier jede Woche ein Samstagsmarkt auf einer Insel in der Mitte des Flusses statt, die weder Afghanistan noch Tadschikistan ist.

Ich esse zu Mittag in einem Café und bewundere die Berglandschaft. Es gibt kein Menü, also greife ich auf den alten Trick des Reisenden zurück, auf das zu zeigen, was ich will, aber stelle fest dass es nichts anderes als leckere Knödeln gibt.

Der Wakhan-Korridor war ein politischer Puffer was zwischen britischen und russischen Streitkräften fast um 1900 herum entstand und beide Imperien, die um die Kontrolle über Zentralasien wetteiferten vor einem Konflikt bewahrte. Der Korridor liegt östlich von Afghanistan, nördlich von Tadschikistan und südlich von Pakistan. Marco Polo kam 1275 auch hier vorbei und beschrieb “eine ausgedehnte Ebene mit viel Gras und Bäumen und reichlichen Quellen mit reinem Wasser, die durch felsige Schluchten fließen. In diesen Bächen fand ich Forellen und viele andere Fische von zierlicher Art. Die Luft dieser Region ist so rein… “

Das Gras und die Bäume sind kältebedingt und zu dieser Jahreszeit nicht mehr im Überfluss vorhanden – und die zierlichen Fische sind scheinbar verschwunden, aber die Luft, die aus den hochgletscherten Hindukuschbergen herabbläst ist sehr rein.

Mit Gipfeln, die den Horizont abdecken, sind die Wakhan-Gärten und -Dörfer aufgeräumter und die Felder üppiger als anderswo am Pamir Highway.

Kaum ein Dorfbewohner kann englisch, als ich 100 km durch den Wakhan fahre. Hellhäutige Kinder mit sandigen Haaren klettern und spielen über Traktoren und rennen über den Strassenrand. Der portugiesische Jesuitenpriester Bento de Goes überquerte den Wakhan auf seinem Weg nach China zwischen 1602 und 1606 und sagte, die Menschen hier hätten “gelbe Haare und Bart wie die Menschen in den Niederlanden”, während der britische Offizier TE Gordon 1874 bemerkte: “blaue Augen sind nicht ungewöhnlich “. Alexanders griechische Truppen passierten offenbar auch diesen Weg.

Als ich in Langar ankomme, tauchen Sterne in einem tieferen, dunklen Himmel auf. In diesem kleinen Ort, in dem die Wakhan Strasse die Grenze nach Afghanistan überquert, gibt es keine Gästehäuser. Ich werde jedoch gleich nach meiner Ankunft von einem Landwirt angesprochen, der mir die Gastfreundschaft der Region erweist. Die einfache Holzkonstruktion hat kein gesondertes Badezimmer, ist jedoch mit Charme beladen. Es gibt keine Moscheen in den Bergen und geistige Erfüllung muss in der Natur erlangt werden.

Das Haus repräsentiert ist in drei Wohnbereiche aufgeteilt .

Der Boden repräsentiert die unbelebte Welt und ein erhöhtes Podium die Ebenen der Seele auf ihrem Weg zur Erleuchtung. Ich lege meine Tasche und setze mich auf ein Podium, das sofort meine Seele über das Alltägliche erhebt.

Eine Mahlzeit aus Reis und Hammelfleisch bringt mich auf die Erde zurück.

Ich wache auf vom Geruch des Frühstücks und überlasse Langar den Einwohnern – Zu erwähnen bleibt, dass mein Gastgeber, jegliches Geld für meinen Aufenthalt verweigert. Die Ablehnung ist wichtig, weil die Gastfreundschaft in diesen Bergen Tradition hat und das Bezahlen von Geld nicht gewünscht zu sein scheint.

Die Abfahrt von Langar auf das Hochplateau ist besonders herausfordernd. Ich fahre über 70 km nur auf Kies und Felsbrocken, bevor ich eine Oberfläche finde, die asphaltiert ist und mehrere Stunden ohne ein anderes vorbeikommende Auto meine Strecke fortsetze.

Die Flussgrenze ist eng und scheint komplett eingefroren; Es wäre einfach, nach Afghanistan mit Schlittschuhen zu gleiten, obwohl es wenig Sinn macht, da die knochenharten verlassenen Hügel auf der anderen Seite genauso aussehen würden wie die auf dieser Seite.

Auf dem Plateau herrscht eine mürrische Schönheit: kalte Felsen, ausgetrocknet und mit ein dünnen Fahrstreifen , das dieses entfernte Gebiet als Patchwork unter hoher Sonne an die fast vergessene Außenwelt genäht hat.

Meine Freude, den Asphalt der M41 zu erreichen, ist kurzlebig: Auf der Oberfläche fühlt es sich an, als würde ich auf einer Hüpfburg fahren, und als ich die Stadt Murghab auf dem windgepeitschten Plateau erreichte, ist das anvisierte Hotel bereits geschlossen.

Also fahre ich an Bulunkul, dem kältesten Dorf Tadschikistans, der Abzweigung nach China mit Aussicht auf Muztagh-Ata, bestehend aus Fels und Eis, welches mit 7.546 Metern der höchste Punkt des Pamir-Gebirges ist, vorbei. Dann geht es über den 4.655 Meter hohen Ak-Baital-Pass nach Karakul.

Der Karakul-See ist mit 3.914 Metern der zweithöchste See der Welt (nach Titicaca) , dass mit Wasserfahrzeugen befahren werden kann und im Winter eine riesige Eisfläche darstellt.

Ich bleibe in einem warmen, komfortablen Haus einer Gastfamilie am Ufer. Ich habe grossen Durst und höhenbedingten Kopfschmerzen, die an meinen Schläfen pochen.

Einheimische Fahrer essen Kurut – harte Käsebällchen – um mit der Höhe fertig zu werden, aber ich begnüge mich mit einem Glas Tee.

Mein Gastgeber spricht Englisch, gibt mir frisches gekochtes Gemüse und Frühstück und sagt mir, dass sie eine Krankenschwester in Murghab war, aber die „große Stadt“ nicht mag.

Sie erklärt, dass die Besucher auch an diesem abgelegenen Ort häufiger gesichtet werden, obwohl die ersten westlichen Menschen hier wohl deutsche Kriegsgefangene aus dem zweiten Weltkrieg waren.

Der Ort ist hoch und kalt und aufregend in seiner Abgeschiedenheit, aber es ist ein Wunder, dass deutsche Kriegsgefangene in solch einer Umgebung sein könnten, geschweige es denn geschafft haben sollen .

Die Straße steigt wieder zum Kyzyl-Art-Pass an, der mit 4.282 Metern zwar tiefer als Ak-Baital ist, jedoch durch die Beschaffenheit der Straße, eine große Herausforderung darstellt.

Der zweithöchste Grenzübergang der Welt (hinter dem nahe gelegenen Karakoram, das China und Pakistan verbindet), die Grenze zu Kirgisistan, ist durch eine riesige Statue eines geschweiften, gehörnten “Marco-Polo- Schafes” gekennzeichnet. Das Tier wurde so genannt, weil der Abenteurer im 13. Jahrhundert sah, wie Schafe hier “von enormer Größe” waren. Heute sind diese Tiere unter Artenschutz.

Nach dem Grenzübertritt zu Kirgistan schiebe ich das Auto zum ersten Mal seit langer Zeit in den fünften Gang und beschleunige bergab.

Tadschikistan und das Pamir-Gebirge tauchen nun in meinen Spiegeln auf, währen ich nach Norden fahre.

Die Strecke zum nachfahren in Google Maps:

Pamir highway, Tajikistan


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